Wir alle haben unsere Eigenheiten, spezielle Verhaltensweisen und kleinere oder größere Macken. Diese Eigenheiten machen uns menschlich, lebendig und eben ganz individuell.
Das ist absolut in Ordnung und gut so, denn jeder Mensch macht andere Erfahrungen. Manche Erfahrungen prägen uns so sehr, dass wir spezielle Verhaltensweisen entwickeln.
In manchen Situationen sagen wir dann: „Ich bin halt so“ – was übersetzt auch heißen kann: „Ich bin unschuldig, ich kann überhaupt nichts dafür“. Und wir erwarten (oder verlangen sogar), dass es akzeptiert wird.
Das sind Situationen, in denen unsere Verhaltensweisen nicht gut ankommen, wenn wir anecken und es zu Spannungen oder sogar Streitigkeiten kommt. Das kann echt zum Problem werden. Keiner streitet gern. Wir alle möchten doch im Grunde ein harmonisches Umfeld, weil wir uns dann wohl und angenommen fühlen. Die Frage, die sich stellt ist: „Sind wir tatsächlich so“?
Es gibt ja T-Shirts auf denen gedruckt steht: „Ich bin so geboren, was ist deine Entschuldigung“.
Das zeigt, dass viele diesen Satz gerne als Entschuldigung verwenden. Sich entschuldigen wofür? Gilt die Entschuldigung der persönlichen Individualität? Der angeeigneten, entwickelten Verhaltensweise, die wir als Schutz verwenden oder weil wir verletzt wurden? Oder dem „Nicht-hinsehen-wollen“, warum wir diese Verhaltensweisen entwickelt haben?
Wenn wir ehrlich sind, verwenden wir diesen Satz gerne aus Bequemlichkeit, denn damit ist jede Erklärung hinfällig und die Sache (scheinbar) erledigt.
Und ja, manchmal ruhen wir uns auf diesem Satz aus wie in einer Hängematte im Schatten unter Bäumen. Das grelle Licht der Sonne fürchtend, das alles erhellt, liegen wir unter einem grün leuchtenden Blätterdach, die Sicht begrenzt auf diesen schützenden Raum.

Auch ich verwende diesen Satz noch ab und zu, wenn ich mich gerade nicht mit der Ursache beschäftigen möchte. Denn es braucht schon Zeit und Energie, sich in sich hinein zu versetzen und nachzuforschen, warum ich sage: „Ich bin halt so“.
Was kann man da tun?
Eigenforschung und Veränderung sind unbequem, wer weiß, was dabei herauskommt? Dann lieber doch im alten Muster weiter machen, auch wenn ich mich selbst nicht wirklich wohl dabei fühle. Wer weiß, was da ans Licht kommt, wenn ich mal genauer hinsehe, vielleicht schmerzt es oder ist sehr unangenehm? Ich werde es nicht erfahren, wenn ich weiter wegsehe.
Doch begrenzen wir uns nicht selbst, wenn wir diesen Satz verwenden? Wir stellen uns nicht unserem eigenen Wesen, nicht dem was uns ausmacht, und schon gar nicht der Ursache, wer oder was uns zu dem gemacht hat, wie wir heute sind. Auch nicht unserer Verletztheit, dem Schmerz, die diese Verhaltensweise ins Leben gerufen haben.
Wenn wir uns mit den wahren Ursachen nicht befassen möchten, die uns bestimmte Dinge haben annehmen, interpretieren, und bestimmte Verhaltensmuster entwickeln lassen, kommt so ein Satz wie gerufen: „Ich bin halt so“. Und damit ist die Sache für uns erledigt.
Wie fühlst du dich wirklich, wenn du diesen Satz verwendest?
Was wäre, wenn wir uns tatsächlich damit befassen, einfach mal sagen Stopp: „ich schaue jetzt, warum sage ich diesen Satz, was ist die Ursache dafür, für diese Eigenart, dieses Verhaltensmuster?“
Wir können das im Stillen für uns tun, müssen Niemandem davon erzählen. Das heißt, der Satz bleibt immer noch präsent, wir können ihn immer wieder benutzen bis wir bereit sind, uns mit der Ursache auseinander zu setzen. Und vielleicht auch, etwas zu ändern.
Was ist die Ursache? Was könnte sie sein? Ist diese Ursache immer noch aktuell, immer noch aktiv? Brauche ich dieses Verhaltensmuster noch, vielleicht als Schutz? Habe ich vielleicht Angst vor der dem alten Schmerz, den Gefühlen, der Erfahrung, die damit verbunden sind? Wenn ja, wie kann ich das ändern, denn ich bin dann ja offensichtlich nicht in meiner vollen Kraft, lebe nicht meine wahre Persönlichkeit.
Wer weiß, was wir dann erkennen, lösen und verändern können. Damit es besser wird als vorher, für uns und unser Umfeld. Ich finde, das ist es wert. Wenn du das auch findest, dann trau dich, mach es, manchmal braucht es einen oder zwei Anläufe, aber du wirst sehen. Einmal begonnen, ist es gar nicht so schlimm, wie wir vorher befürchtet haben.
Möchtest du Unterstützung dabei? Dann helfe ich dir gerne, denn manchmal sieht ein Außenstehender mehr als man selbst.
Ich wünsche Dir, dass Du den Mut aufbringst, hinzusehen, zu Dir selbst, und Dich immer tiefer und besser kennen und lieben lernst.
Wenn du nicht weißt, wo anfangen, dann helfe ich dir, Licht ins Dunkel zu bringen. Das Knäul zu entwirren. Du wirst sehen, du kannst mehr als du denkst. Manchmal genügt ein kleiner Stups.