Glauben oder Wissen

Glauben oder Wissen

Wir alle tragen ein „Weltbild“ in uns. Oft ist es so verankert, dass wir andere Sichtweisen und Möglichkeiten gar nicht erst sehen. Wenn uns dann jemand etwas sagt oder zeigt was gegen dieses Bild spricht, neigen wir dazu, es erst einmal zu verneinen und abzulehnen.

Angenommen, ich würde Dir einen Beweis liefern, dass die Erde flach ist und keine Kugel. Würdest, bzw. könntest Du es vollkommen neutral und objektiv anhören? Oder würdest Du es von vornherein abtun und sagen: „Du spinnst ja, lass mich damit in Ruhe!“ Das ist zugegeben ein krasses Beispiel.

Nehmen wir etwas Alltäglicheres: Fluorid – kennt jeder, auch meine Kinder bekamen damals vom Arzt Fluoretten verschrieben, weil sie doch den Zahnschmelz stärken und so vor Karies schützen. Ich hatte das echt geglaubt, es klang so logisch. Es lagert sich im Zahnschmelz ein und härtet ihn dadurch. Wow, tolle Sache. Ich habe immer darauf geachtet, dass sie brav ihre Tablettchen lutschen. Was ich mich allerdings nie gefragt hatte: Wenn alle Kinder Fluoretten bekommen und noch zusätzlich die Zähne versiegelt werden, warum haben dann so viele Kinder Löcher in den Zähnen? Ach ja, die vielen Süßigkeiten, vor allem das heimliche Naschen Abends nach dem Zähne putzen. Und warum gibt es Menschen, die absolut gesunde Zähne haben, ohne jemals Fluoretten bekommen zu haben? Diese Fragen kamen mir nicht in den Sinn, bzw. die Antworten wurden bereits in Medien etc. gegeben, so dass ich mich damit zufrieden gab. Mittlerweile ist das Gegenteil bekannt und publiziert worden. Das kam allerdings noch nicht bei allen Zahnärzten an und Konsequenzen in der Nahrungsmittelindustrie gibt es auch keine von „oben“.

Ich sehe nicht was du so siehst

Es gibt so vieles, das wir uns nicht näher ansehen oder anhören, weil es unserem selbst produzierten oder anerzogenen Weltbild nicht entspricht oder nicht gewünscht ist. Es kann so weit gehen, dass wir es nicht einmal wahrnehmen, es könnte unser Weltbild gefährden. Wobei Du nie feststellen kannst, ob diese Gefährdung eine reelle Gefährdung ist oder nur eine erdachte, solange Du sie nicht näher und eingehend betrachtest.
Wir vergleichen unbewusst alles mit diesem „Bild“. Du kennst vielleicht Situationen, in denen Du geschockt warst, als plötzlich eine für dich bis dahin gültige Wahrheit doch eine Lüge war? Oder umgekehrt, eine für dich bestehende Lüge wurde plötzlich zur Wahrheit?

Aus dem Leben 

Dazu eine kleine Anekdote aus meinem Leben. Ich hatte eine wirklich super nette Kollegin. Sie war sehr gesundheitsbewusst und kannte sich gut in Ayurveda aus. Wir unterhielten uns immer wieder über spezielle Themen. Eines Tages erzählte ich ihr von einer „Erkenntnis“ die ich hatte. Also ein wirkliches begreifen von innen heraus. Sie schaute mich an und lachte: „Das hab ich dir schon vor einem Jahr erzählt.“ 🙂 Ich war platt, ich konnte mich partout nicht erinnern und stritt es ab. Nach einer Weile musste ich mir eingestehen, dass ich für die Information, die meine Kollegin mir damals gab nicht bereit war, da gab es keinen Boden, kein Platz in mir dafür. Es war nicht existent. Erst durch einige Prozesse etc. gelang es in mein bewusstes Sein und wurde zugänglich. Es löste eine andere „Wahrheit“ ab.

Ich bin dafür, dass ich dagegen bin

Wie viele Menschen verteidigen Ihr Weltbild bzw. einzelne Sichtweisen und Wahrheiten bis zum Äußersten, ja sogar bis zum letzten Atemzug? Ein Beispiel ist Louis Pasteur, der erst auf dem Sterbebett zugab, dass Antoine Béchamp Recht hatte: „Die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles!“
Auch wenn sich dadurch nicht viel geändert hat, da Pasteurs, wenn auch mit Irrtümern bestücktem, „Wissen“ bereits vergoldet wurde und immer noch wird. (Auch dazu in einem anderen Beitrag mehr).

Mein Bild, Dein Bild, Unser Bild 

Es ist quasi ein „Bild“, eine „Vorstellung“, ob und wie etwas ist oder zu sein hat. Und dies ist bei jedem anders. Je nach Land, Religion, Beruf, Elternhaus usw… Aber wir sind es gewohnt, kennen es nicht anders. Es ist gut, wenn alles prima läuft, aber auch wenn es unangenehm, schmerzhaft oder bedrohlich ist. Das ist unser Bild, unser Platz, unser gewohnter Raum, in dem wir uns sicher bewegen können.

Kann ich oder darf ich meine Meinung ändern?

Ob ich etwas glaube, weiß oder glaube zu wissen ist in meinen Augen nicht das Entscheidende. Das ist manchmal ganz schön tricky herauszufinden. Mit dieser Einstellung, die durchaus menschlich ist, berauben wir uns aber einer Chance auf Besserung, einer Veränderung zu unseren Gunsten. Wer oder Was hindert Dich daran, Dir alles neutral anzuhören, zu hinterfragen und dann zu entscheiden, vielleicht sogar eine 180 Grad Wende zu machen? Wer sagt, dass Du eine einmal getroffene Entscheidung oder Meinung, einen Glaubenssatz nicht ändern darfst? Glaubst Du, damit jemandem zu schaden oder zu verletzen?

Dabei ändern wir so oft unsere Meinung. Meist in „kleinen Dingen“ und ohne dies bewusst wahrzunehmen, wir tun es einfach. Aufgrund von Erfahrungen und neuem Wissen. Das gilt zumindest für „nicht existentielle“ Bereiche. Wie oft hast du eine Zahncreme, ein Waschmittel, ein Nahrungsmittel gewechselt? Bei solchen „Kleinigkeiten“ fällt es leicht. Doch Du siehst – wir tun es! Wir verändern damit ein bestehendes Bild.

Probieren geht über studieren

Ich lade dich ein, für dich „fest gesetzte“ Wahrheiten, Bilder, Vorstellungen, Glaubenssätze einmal neutral zu betrachten. Als wären sie eine Möglichkeit und nicht Deine Realität oder die eine Wahrheit. Fang mit was „Kleinem“ an. Du darfst danach natürlich gerne Deine Wahrheit weiter behalten. Versuche einfach mal eine andere Sichtweise probehalber als wahr zu sehen. Was passiert dann in Deinem Kopf, Deinem Körper? Welche Gedanken, Gefühle, Emotionen kommen hoch? Wo kommen sie her? Wer spricht denn da?

Wir dürfen uns erlauben, unsere Meinung und Ansichten zu ändern. Unseren Glauben, unsere Grundsätze dürfen wir immer wieder prüfen. Nichts bleibt wie es ist, nichts ist festgetackert bis in alle Ewigkeit, alles ändert sich, immer und immer wieder. Sogar in der Wissenschaft lösen neue Erkenntnisse alte, nicht mehr stimmende ab. Auch wenn es oft sehr lange dauert und teilweise versucht wird, dies zu verhindern.

Trau Dich

Du hast nichts zu verlieren, kannst Du ja zu jeder Zeit Deine für Dich stimmige Wahrheit wieder annehmen. 
Du kannst viel gewinnen, sogar die Erkenntnis, dass Deine bisher geglaubte Wahrheit immer noch für Dich gültig ist. Und wenn nicht, darfst Du eine für Dich stimmigere Wahrheit annehmen. Du entscheidest.